Arciliuto forte in g
(italienische Barocklaute)

Repertoire: sämtliche Kompositionen für Arciliuto von 1600 bis ca. 1750, sämtliche Kompositionen für 6-10-chörige Altlaute von 1500 bis ca. 1630, Bearbeitungen von Kompositionen für d-moll-Laute, Musik des
19.-21. Jahrhunderts, Continuo

14-saitig: F G A B C D E F G c f a d‘ g‘

  • Mensur Griffbrettsaiten 62,5 cm, Mensur Bordunsaiten 96 cm
  • wahlweise 7 oder 8 Griffbrettsaiten
  • a’ = 415 oder 440 Hz
  • Einzelbesaitung
  • leichte Griffbrettwölbung
  • 17 Festbünde (bewegliche Bünde auf Wunsch)
  • Verlängerung furniert mit Zierrand
  • Drei Rosetten, breiterer Korpus, 19-spänig
  • klassische oder mechanische Wirbel

Der Arciliuto in g mit 8 Griffbrettsaiten kann auch als Liuto forte in d oder e gestimmt werden. Er weist – im Unterschied zum Liuto forte in d – jedoch nur eine leichte Griffbrettwölbung auf.

Arciliuti und Theorben sind die ersten „lauten Lauten“. Sie können aus heutiger Sicht als Beginn einer Entwicklung gesehen werden, die über Johann Sebastian Bachs mit Einzelsaiten bezogene Laute in direkter Linie zum Liuto forte, der Laute des 21. Jahrhunderts, führt.

Der Erfolg des von Alessandro Piccinini (1566-1639) erfundenen „Arciliuto” (Erzlaute) beruhte auf der Kombination zweier Neuerungen: der Verlängerung der Baßsaiten und der Benutzung einer hohen, durchdringenden Stimmung auf einem großmensurierten, resonanzstarken Instrument. Die hohe Altlautenstimmung, ursprünglich für Mensuren um 60 cm konzipiert, konnte auf einem Instrument in Tenorgröße mit einer etwa 70 cm langen Mensur nur unter Verwendung stärkerer Saiten und eines tieferen Stimmtones realisiert werden. Das wiederum hatte eine höhere Zugspannung zur Folge, was diesem gewöhnlich mit Fingernägeln gespielten Instrument zu einem bemerkenswerten Durchsetzungsvermögen verhalf.

Arciliuti spielten in der Ensemblemusik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie bei der Gesangsbegleitung eine bedeutende Rolle. Sie verfügen jedoch auch über ein solistisches Repertoire. Ihre sehr langen Baßsaiten waren immer einzeln, die Griffbrettsaiten kamen sowohl doppelt wie auch einzeln vor.

Die teilweise extreme Länge der freien Baßsaiten historischer Arciliuti ist dem Umstand geschuldet, dass es zur Zeit der Erfindung dieser Instrumente noch keine mit Metall umsponnenen Baßsaiten gab. Die damals üblichen blanken Darm- oder Metallsaiten mussten daher eine gewisse Länge haben, um nicht zu dick zu werden und damit stumpf zu klingen. Da Liuti forti im Bass jedoch durchweg mit umsponnenen Saiten ausgestattet sind, kann bei unseren Instrumenten auf diese höchst unpraktischen, extremen Verlängerungen verzichtet werden. Im Gegensatz zu historischen Arciliuti weisen Liuti forti mit verlängerten Baßsaiten beim Übergang von den Griffbrett- zu den Bordunsaiten keinerlei klangliche Brüche auf.

Vom Arciliuto ist der erst später so bezeichnete „Liuto attiorbato” zu unterscheiden, eine kleine, ebenfalls in g gestimmte Altlaute mit durchweg chörigem Bezug, der man ebenfalls verlängerte Baßsaiten zugefügt hatte und die das italienische Pendant zur französischen d-moll-Laute ist. Für dieses Instrument haben italienische Komponisten des 17. Jahrhunderts ein beachtliches solistisches Repertoire hinterlassen, dessen Ausführung auf dem gleichgestimmten, jedoch größer mensurierten Arciliuto dieser Zeit grifftechnische Probleme mit sich bringt.

Da der Arciliuto forte in g aufgrund seiner Deckenkonstruktion auch historische Arciliuti an Lautstärke übertrifft, kann seine Mensur kleiner gehalten werden, ohne daß das Instrument an Durchsetzungsvermögen verliert. Er ist dadurch imstande, sowohl Aufgaben im Ensemble zu erfüllen, als auch das reizvolle Repertoire für den kleiner mensurierten Liuto attiorbato wiederzugeben. Der Arciliuto forte zählt aufgrund seiner Kraft, Brillanz und zeitlosen Schönheit zu unseren beliebtesten Modellen.

Wer sich beim Arciliuto forte in g für die Stimmvariante G A B C D E F G A c f a d’g’ entschließt, gelangt nicht nur in den Genuß enormer grifftechnischer Erleichterungen bei der Wiedergabe des originalen Repertoires für dieses Instrument, sondern kann bei Bedarf durch Austausch von nur zwei Saiten bequem zur d-moll-Stimmung hinüberwechseln. Der Übergang vom Arciliuto zu einem in d-moll gestimmten Instrument erfordert dann im Baßregister kein Umdenken mehr, ebensowenig wie beim Übergang vom Arciliuto zur Theorbe, deren sechste Saite ebenfalls in A gestimmt ist.

Klangbeispiele

Bitte beachten Sie, dass bei den nachfolgenden Aufnahmen mit Liuti forti kein Unterschied zwischen dem Klang des Instrumentes in der Aufnahme und dem Klang des Instrumentes im Original besteht. Vergleichen Sie bei Bedarf den Klang der jeweiligen Stücke mit Aufnahmen desselben Stückes auf Kopien historischer Lauten, die im Internet zu finden sind.

Hieronymus Kapsberger,
“Toccata 6 für Laute”
Luciano Còntini, Österreich,
Arciliuto forte in a (415 Hz) bzw. g (466 Hz)

J.S. Bach “Prelude BWV 998”
Luciano Còntini, Österreich
bearbeitet für Arciliuto forte in a (415 Hz)
bzw. g (466 Hz)

Walking in the Air (From “The Snowman”)
Ronn McFarlane, USA
Arciliuto forte in d (mit Verstärker)

Francesco Bartolomeo Conti
“Cantate con istrumenti I-IV”

Bernarda Fink, Mezzosopran, Ars Antiqua Austria, Dir. Gunar Letzbor
Edition ARCANA/WDR3, P 2002
Luciano Còntini, Österreich
Arciliuto forte in a (415 Hz) bzw. g (466 Hz)