Auswahl Ihres persönlichen Liuto forte –
Ratschläge für Gitarristen und Neueinsteiger

Saitenanzahl

Gitarristen, die bisher ausschließlich auf 6-saitigen Gitarren musizierten, haben oft Scheu, sich auf Instrumente mit sieben, neun oder noch mehr Saiten einzulassen. Diese Scheu ist verständlich, da es tatsächlich ein längerer Prozess ist, die neuen Gegebenheiten physisch und kognitiv ins Spiel zu integrieren. Die Umstellung bringt jedoch großen Gewinn, denn jede zusätzliche Saite führt nicht nur zu einer Bereicherung des Klanges sondern auch zu Erleichterungen für die linke Hand.

Ist die Fixierung auf nur sechs Saiten erst einmal überwunden, wird es schon bald einerlei, ob das neue Instrument über drei, vier, sieben oder acht zusätzliche Baßsaiten verfügt. Regelmäßiges, gezieltes Üben bewirkt auch auch hier, dass die Benutzung der tiefen Saiten Schritt für Schritt zur Selbstverständlichkeit wird und man auf diese klangliche Bereicherung auf keinen Fall mehr verzichten möchte. Diese Erfahrung teilen alle Liuto-forte-Kunden, die ursprünglich nur auf sechs Saiten musizierten. Seien Sie also nicht zu ängstlich bei der Wahl der Saitenanzahl im Fall einer Entscheidung für den Liuto forte in g oder die verschiedenen Modelle des Liuto forte in e.

Noten oder Tabulatur?

Gitarristen spielen ihr solistisches Repertoire meistens auswendig, Lautenisten nach Tabulatur. Der Grund dafür liegt darin, dass die Tabulatur dem Spieler ohne zusätzliche Hilfszeichen unmittelbar vor Augen führt, wohin er seine Finger auf dem Instrument zu setzen hat. Das Spielen nach Tabulatur öffnet Ihnen nicht nur das Tor zu einem unermesslichen Schatzhaus originaler Quellen, sondern befreit Sie auch von der sklavischen Bindung an eine einzige Stimmung. Lautentabulaturen mögen auf den ersten Blick kompliziert aussehen, sind jedoch sehr einfach und in nur wenigen Tagen zu erlernen. Eine Anleitung dazu liefern wir Ihnen beim Kauf eines Liuto forte auf Wunsch kostenlos mit.

Übertragungen sowie Neuausgaben und Nachdrucke von Tabulaturen können Sie bequem bei Rainer Luckhardt, Inhaber des Seicento-Musikverlages, bestellen. Er berät Sie auch gern in Fragen einführender Literatur sowie des Repertoires für sämtliche Lauteninstrumente (www.seicentomusic.de). Es lassen sich auch sehr viele Tabulaturen und Facsimiles kostenlos downloaden.

Soll es beim Spiel nach Noten bleiben, sind ein Liuto forte in g (Altlaute) mit 7-10 Saiten, der Liuto forte in e mit 9 oder 10 Saiten oder der Arciliuto in e mit 11-14 Saiten die erste Wahl. Musik für die Altlaute (Liuto forte in g) liegt inzwischen ausreichend in guten Übertragungen vor, wodurch das Erlernen der Tabulatur beim Erwerb dieses Modells nicht zwingend ist. Das Gleiche gilt für Übertragungen von Barocklautenmusik für die e-Stimmung, sofern darin alle nach oben oktavierten Bassnoten, die auf dem Liuto forte in e dann größtenteils in der originalen Lage gespielt werden können, gekennzeichnet sind. Um wirklich gute Arrangements der Lautenkompositionen von S. L. Weiß oder J . S. Bach in e-Stimmung ausführen zu können, benötigen Sie ein mindestens 10-saitiges Instrument.

Stimmungen

Gitarristen, die mit einem Arciliuto in g, einer Theorbe (Tiorba forte) oder einem Liuto forte in d Continuo in einem Ensemble spielen möchten, kommen nicht umhin, auch in dieser Stimmung nach Noten spielen zu lernen. Für das Spiel des solistischen Repertoires dieser Instrumente wiederum ist die Kenntnis der Tabulatur unerlässlich.

Die d-moll-Stimmung der Laute war von ca. 1630 bis 1800 in Gebrauch. Sie ist möglicherweise die „intelligenteste“, vielseitigste und klangvollste aller Lautenstimmungen da sie – im Vergleich mit der alten Quartenstimmung – nicht nur die linke Hand deutlich entlastet sondern auch den Kreis der zur Verfügung stehenden Tonarten erweitert. Letzteres ist besonders vorteilhaft für das Musizieren im Ensemble.

Diese Stimmung wurde auf sehr unterschiedlichen Lautenmodellen mit 11 bis 15 Saitenchören benutzt. Ihre faszinierenden Möglichkeiten bei der Wiedergabe von Kompositionen auch des 19. und 20. Jahrhunderts werden dank der von uns modernisierten Form der d-moll-Schwanenhalslaute gerade erst aufs Neue entdeckt.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass diese Stimmung in absehbarer Zeit eine neue Blüte erlebt.

Saitenspannung und Spieltechnik

Liuti forti spielen sich deutlich leichter als klassische Gitarren. Im Gegensatz zur historischen Laute schränkt diese leichte Spielbarkeit jedoch in keiner Weise ihr enormes dynamisches Spektrum ein. Die Stimmhaltung der Saiten ist besser als bei historischen Lauten und klassischen Gitarren.

Die auf unseren Instrumenten verwendete Saitenspannung liegt etwa in der Mitte zwischen der Saitenspannung einer klassischen Gitarre und chörigen Lauten in historischer Bauart. Sämtliche Modelle des Liuto forte können daher sowohl mit Nägeln wie mit Kuppen gespielt werden. Der Klang eines Liuto forte ist etwas vollkommen Eigenständiges und gleichzeitig extrem wandelbar. Durch leichte Modifikationen Ihrer Anschlagstechnik steht Ihnen auf diesen Instrumenten ein Spektrum zur Verfügung das vom sonoren Klang einer Gitarre bis hin zum Obertonreichtum historischer Lauten reicht.

Modelle

Liuto forte in g (Altlaute)

Der Liuto forte in g (Altlaute) hat eine Brillanz, die keine Gitarre der Welt aufweist. Er verpflichtet Sie auch nicht zum Erlernen der Tabulatur oder zum Lesen der g-Stimmung nach Noten da das Repertoire der Altlaute – von Francesco da Milano bis zu John Dowland – bereits zu großen Teilen in Übertragungen für die Stimmung der Gitarre vorliegt.

Mit dem Erwerb eines 10-saitigen Liuto forte in e oder eines 9- oder 10-saitigen Liuto forte in g als Einstieg in die Lautenwelt sind Sie als Gitarrist auf der sicheren Seite.

Das Interesse an Modellen mit noch mehr Saiten und anderen Stimmungen erwacht mit zunehmender Beherrschung dieser Instrumente erfahrungsgemäß von selbst.

Durch Verwendung eines Kapodasters auf dem zweiten oder dritten Bund eines Liuto forte in e oder einer Schwanenhalslaute in e kann die Stimmlage der Altlaute imitiert und deren Repertoire damit auch auf diesem Instrument wiedergegeben werden. Der Klang ist aufgrund der etwas dickeren Saiten in diesem Fall ein wenig wärmer als jener des mit schlankeren Saiten bezogenen Liuto forte in g. Einen Eindruck von diesem feinen Unterschied erhalten Sie in nachfolgendem Tonbeispiel. Vergleichen Sie den Klang dieses auf einem Liuto forte in e mit Kapodaster gespielten Stückes mit dem des Liuto forte in g in der vorhergehenden Aufnahme mit Oliver Bensa.

(Anett Batuschka, John Dowland, Fantasie)

Die Schwanenhalslaute in e ist kein historisches Lautenmodell, sondern eine neue Kreation auf Basis der barocken d-moll-Schwanenhalslaute. Sie berücksichtigt den Umstand, dass die heute verbreitetste Stimmung die e-Stimmung der Gitarre ist und soll Gitarristen den Zugang zum Lautenspiel erleichtern. Sie ist das ideale Instrument für all jene, die barocke Lautenmusik und Continuo in e-Stimmung spielen und sich gleichzeitig die Möglichkeit offenhalten möchten, ihr Instrument auch in d-moll-Stimmung zu besaiten.

 

Arciliuto forte

Der Arciliuto in g und die Theorbe (Tiorba forte) verfügen nicht nur über ein sehr reizvolles Solorepertoire, sondern sind auch fester Bestandteil des barocken Orchesters.

Ihre Beherrschung eröffnet die Möglichkeit der Teilnahme an Aufführungen von Werken der größten Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts.

 

Tiorba forte

Der Zugang zur Theorbe wird insbesondere für Gitarristen durch die Stimmung ihrer Spielsaiten (A d g h e a) erleichtert, da ihm deren Töne auf dem Griffbrett bereits vertraut sind. Gewöhnungsbedürftig sind lediglich die um eine Oktave tiefer gestimmte erste und zweite Saite die jedoch die Bildung von Akkorden in enger Lage ermöglichen, die in der üblichen Gitarrenstimmung unausführbar wären.

Weiß oder Bach? Auswahl eines Liuto forte in d

Die Lautenkompositionen von Sylvius Leopold Weiß und Johann Sebastian Bach sind nicht für das gleiche Lautenmodell konzipiert. Die durch nichts begründete Annahme, Bachs Lautenwerke seien für denselben Instrumententyp bestimmt, dessen sich Weiß bediente, hat zu vielen Missdeutungen und Fehleinschätzungen der Lautenkompositionen Johann Sebastian Bachs geführt.

Die Lauten von Sylvius Leopold Weiß

Sylvius Leopold Weiß begann seine glänzende Laufbahn mit einer 12-chörigen Knickhalslaute ohne verlängerte Baßsaiten. Um 1718 wechselte er dann zu einer 13- chörigen Laute mit Baßreiter für die zwei tiefsten Chöre A’ und B’ und schließlich – um 1727 – zu einer Schwanenhalslaute, bei der sich 8 Chöre auf dem Griffbrett und 5 in der Verlängerung befanden. Die Mensuren dieser Instrumente bewegten sich überwiegend zwischen 70 und 76 cm, wobei erstere im Bereich um 415 Hz eingestimmt wurden, die größeren noch einen Halbton tiefer (römischer oder französischer Ton). Die Korpusgrößen dieser Instrumente entsprachen denen einer Tenor- oder kleinen Baßlaute.

Die von uns entwickelte Schwanenhalslaute in d ist nicht nur ideal zur Wiedergabe der Lautenmusik von Sylvius Leopold Weiß und seiner Zeitgenossen sondern ebenso geeignet für die Interpretation sämtlicher Barocklautenkompositionen des 17. Jahrhunderts. Sie ist kräftiger, wärmer und farbenreicher als alle historischen Vorbilder. Auf diesem Modell lassen sich auch die drei aus dem 18. Jahrhundert überlieferten Bearbeitungen Bachscher Lautenkompositionen für eine 13-chörige Laute in der d-moll-Standardstimmung ausführen.

Ganz Mutige könnten an der Idee einer 15-saitigen Schwanenhalslaute in d Gefallen finden, deren 13. Saite in Kontra A, die 14. und 15. Saite jedoch nach Dis (Es) und Cis (Des) gestimmt sind. Letztere dürften bei Solo- und Ensemblestücken, in denen die darüber befindlichen, regulären Baßsaiten in C und D stehen, für eine wirkliche klangliche Bereicherung sorgen. Eine historische Parallele dazu ist die 1729 gebaute, 15-chörige Laute von Jonas Elg im Musikhistorischen Museum in Stockholm.

Johann Sebastian Bachs Kompositionen für Laute lassen sich auf einem Instrument in der Größe, Stimmung und Besaitung der Laute von Sylvius Leopold Weiß nur mit Einschränkungen wiedergeben. Dies wird Ihnen jeder Spieler eines solchen Instrumentes bestätigen. Die drei aus dem 18.Jahrhundert in Tabulaturschrift überlieferten Bearbeitungen Bachscher Lautenkompositionen für das von S.L. Weiß benutzte 13-chörige Lautenmodell zeigen die Grenzen einer notengetreuen Wiedergabe dieser Werke bei Verwendung eines solchen Instrumentes unmissverständlich auf.

Für welches historische Lautenmodell wurden diese Stücke jedoch komponiert?

Die Laute Johann Sebastian Bachs

(siehe auch: www.bach-Lautenwerke.de)

Johann Sebastian Bachs Laute war mit größter Wahrscheinlichkeit ein mit Einzelsaiten bezogener Liuto attiorbato mit einer Länge der Griffbrettsaiten von maximal 60 cm, dessen ursprüngliche Besaitung aus 7 Griffbrett- und 7 Bordunchören bestand (linkes Bild). Die chörige Disposition wurde bereits vor 1715 zugunsten einer Besaitung mit 12 Einzelsaiten auf dem Griffbrett und 2 Bordunsaiten aufgegeben. Um genügend Platz für zwölf Einzelsaiten auf dem Griffbrett zu haben musste – nach dem Vorbild der Angélique – lediglich die linke Wange des Wirbelkastens etwas ausgestochen werden.

 

linkes Bild: Liuto attiorbato, 17. Jhd., mit originalem Hals, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erzlaute
rechtes Bild: Liuto attiorbato von Matteo Sellas, Venezia 1640, mit Schwanenhals des 18. Jahrhunderts, Quelle: Joel Dugot, “Les Luths (Occident)”, catalogue des collections du Musée de la musique (vol.1), Paris 2006

In Verbindung mit einer zusätzlichen, in B gestimmten freien Saite in sechster Position sowie einem zusätzlichen Kontra A ermöglicht eine solche Einrichtung die korrekte, absolut notengetreue Ausführung von BWV 996, 999, 1000 und 1006a (mit Scordatur) in der Grundstimmung

A’ B’ C D E F G A B d f a d’ f’

Frühestens nach Uraufführung der Matthäuspassion im Jahr 1727 erhielt dieses Instrument einen Schwanenhals (rechtes Bild) und eine veränderte Saitendisposition mit 10 Griffbrett – und sechs Bordunsaiten. Dies ist auch die klassische Saitendisposition einer durchweg mit Einzelsaiten bezogenen Angélique, mit deren Repertoire und Spielweise sich J. S. Bach bereits in seiner Weimarer Zeit vertraut machen konnte, wie mehrere Angélique-typische Griffstrukturen der rechten Hand in BWV 996, 997 und 998 verraten.

Angélique von Johann Christoph Fleischer, Hamburg o.J., Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern (Schwerin)
Quelle: Fotodesign Klose, Schwerin

Die Grundstimmung des auf 16 Saiten erweiterten Instrumentes lautet

E (oder Des) As’ B’ C D Es F G As B c d f a d’ f’ (BWV 997 und 998)

Für die Ausführung von BWV 995 wurden alle Töne dieser Stimmung des 16-saitigen Instrumentes von der siebten Saite an um einen Ganz- oder Halbton herabgestimmt, so dass der tiefste Ton des Instruments Kontra G lautete.

Der Ton E der 16. Saite, der auch als Des bzw. Cis eingestimmt werden kann, lässt sich auf einem Instrument in der zuvor genannten Stimmung mit nur 10 Griffbrettsaiten nicht mehr greifen, da dessen tiefste Griffbrettsaite ein F ist. Er wurde daher außerhalb des Spielbereiches hinzugefügt und kommt an zwei Stellen des Double von BWV 997, an einer Stelle im Allegro von BWV 998 und in der Sarabande von BWV 995 vor. Diese alterierten Baßtöne klingen an den betreffenden Stellen höchst reizvoll, wurden von J. S. Bach ganz bewusst einkomponiert und würden durch Oktavierung nach oben nicht nur die Stimmführung verfälschen, sondern auch viel von ihrer Wirkung einbüßen.

Damit sowohl Bachs Kompositionen für das 14-saitige Instrument mit 12 Griffbrettsaiten als auch jene für das Modell mit Schwanenhals und nur 10 Griffbrettsaiten auf demselben Instrument wiedergegeben werden können, hat unsere 16-saitige Bach-Laute 12 Wirbel im ersten und 6 im zweiten Wirbelkasten des Schwanenhalses. Dadurch steht es den Spielern frei, zwecks korrekter Wiedergabe von Bachs Lautenwerken von beiden Besaitungsformen Gebrauch zu machen.

Zwei Instrumente in Einem?

Oft wird die Frage gestellt, ob sich dasselbe Liuto forte-Modell auch für unterschiedliche Stimmungen eignet. Dies ist tatsächlich der Fall bei der 11- bis 14 -saitigen Schwanenhalslaute in e mit einer Griffbrettmensur von 64 cm. Sie kann bei Bedarf wie eine Schwanenhalslaute in d besaitet werden. Dasselbe gilt für den 14-saitigen Arciliuto forte in g mit einer Griffbrettmensur von 62,5 cm. Beide Modelle haben – im Unterschied zur Schwanenhalslaute in d – jedoch nur leicht gewölbte Griffbretter.

Die Tenorlaute in e sowie die Schwanenhalslaute in e können bei Verwendung eines Kapodasters auf dem zweiten oder dritten Bund auch in der Stimmung der Altlaute in g gespielt werden. Damit stehen Ihnen beim Erwerb eines solchen Instrumentes mit 10 Saiten (Tenorlaute) oder mit 11 bis 14 Saiten (Schwanenhalslaute in e) sowohl Bearbeitungen barocker Lautenkompositionen für e-Stimmung als auch das Repertoire für Renaissancelaute von 1500 – 1630 sowie das gesamte Repertoire für 6- bis 10-saitige klassische Gitarren zur Verfügung, das bei Wiedergabe auf einem Liuto forte in e meist deutlich an Brillanz und Klarheit gewinnt.

Korpusholz – passend zur Persönlichkeit des Spielers

(siehe auch: Details/Korpushölzer)

Die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert hauptsächlich für Lautenkorpora benutzten Hölzer waren Ahorn, Eibe und Palisander. Es kamen auch andere Materialien zum Einsatz, von denen Elfenbein und Ebenholz unter akustischen Gesichtspunkten die ungeeignetsten sind. Zum Bau von Liuti forti verwenden wir ausschließlich die drei zuerst genannten Hölzer. Um die richtige Auswahl zwischen ihnen zu treffen sollten Sie Folgendes beachten:

Ahorn liefert bei einem hellen Grundklang die reichste Klangfarbenpalette und mischt sich am besten mit dem Klang von Streichinstrumenten. Sofern Ihnen Klarheit und die musikalische Gestaltung durch Klangfarben besonders am Herzen liegen ist Ahorn die erste Wahl.

Palisander steht ebenso für Klarheit, gleichzeitig jedoch für ein Optimum an dynamischen Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist das beste Holz für zupackende Spielerinnen und Spieler, die vor größeren Auditorien musizieren.

Eibe hat von allen für Lautenkorpora verwendeten Hölzern den wärmsten Klang. Lauten aus diesem Holz verströmen eine ganz eigene Magie. Eibe ist das ideale Holz für die Romantiker unter Ihnen, die im natürlichen Klang des Instrumentes schwelgen möchten, ohne ihm allzu viel an dynamischen Kontrasten oder Klangfarbenunterschieden hinzuzufügen.

In gewisser Weise lassen sich die drei Hölzer auch wie folgt charakterisieren:

Ahorn entspricht einer klaren, durchdringenden Knabenstimme, Palisander der sonoren Stimme eines Mannes und Eibe der warmen Altstimme einer Frau.

Falls Sie im Duett mit einem anderen Lautenisten spielen möchten, sollten Sie hinsichtlich der Holzauswahl darauf achten, Instrumente aus klanglich kompatiblen Hölzern zu wählen. Ahorn mischt sich klanglich am Besten mit Ahorn jedoch weniger gut mit Eibe oder Palisander. Palisander und Eibe hingegen verschmelzen – trotz der Verschiedenheit ihrer Timbres – ausgezeichnet miteinander.

Grundsätzlich gilt, dass für tiefere Stimmungen das Holz mit dem hellsten Timbre das geeignetste ist. Wir empfehlen aus diesem Grund für Liuti forti in e immer einen Ahornkorpus. Eibe war im 17. Jahrhundert das beliebteste Lautenholz weil sie dem traditionell etwas spitzen und kurzatmigen Klang historischer Lauten zu mehr Wärme und – dank der enormen Elastizität ihrer Späne – zu einem besserem Sustain verhalf. Letzteres wird beim Liuto forte allerdings weit wirkungsvoller durch die neue Deckenkonstruktion erreicht. Damit reduziert sich der akustische Beitrag dieses Holzes bei unseren Instrumenten auf dessen spezifischen, fast romantischen Klang.

Klassische Wirbel oder mechanische Wirbel?

Seit 2015 statten wir unsere Instrumente neben den traditionellen Ebenholzwirbeln auch mit mechanischen Wirbeln der Firma Wittner aus. Diese ermöglichen ein Feinstimmen wie bei der Gitarre und bedürfen – im Gegensatz zum klassischen Wirbel -weder der Pflege mit Kreide und Seife noch des Ausübens von Druck beim Stimmen.

Auch die Gefahr des unverhofften Herausspringens ist bei diesen Wirbeln vollständig gebannt. Sie unterscheiden sich äußerlich nicht von einem klassischen Wirbel, erfordern jedoch gewisse Rücksichten beim Aufziehen der Saiten. Informationen dazu findet man in der mitgelieferten Gebrauchsanleitung. Gitarristen, die im Umgang mit klassischen Steckwirbeln weniger geübt sind, werden diese Neuerung ganz besonders begrüßen.

(Siehe auch: Details, “Wirbel”)